Der Jadepalast – Raymond A. Scofield
Geschichte mal anders
Raymond A. Scofield entführt den Leser in eine fremde Kultur und zeichnet dabei gleich ein ganzes Jahrhundert chinesischer Geschichte nach: von Unterjochung, Nationalismus, Industrialisierung, Kulturrevolution, Globalisierung. Man merkt dem Autor seine jahrelange Tätigkeit als Asien-Korrespondent fürs ZDF an, so nah wirkt die Geschichte an der Geschichte. Den Bogen spannt Scofield durch seine Protagonistin Ma Li, die als kleines Mädchen mitsamt ihrer kleinwüchsigen Schwester von einem Mädchenhändler nach Shanghai deportiert wird und dort – Glück im Unglück – durch ihren Beschützerinstinkt für ihre Schwester das Herz eines Gangsterbosses und seiner nach gesellschaftlicher Anerkennung strebender Frau erweicht und so von ihnen großgezogen wird. In politisch unruhigen Zeiten verliebt sie sich in einen Revolutionär und heiratet doch einen reichen Fabrikbesitzer. Scofield bedient alle klassischen Elemente eines prallen Schmökers: große Gefühle, tragische Schicksale, machtgierige Intrigen. Die fehlende Fantasie und Poesie in der Sprache wird locker wettgemacht durch die fantasievolle Story.
7 Punkte